Fällt dir auf, dass dein Haar an Volumen verliert oder du täglich mehr Haare in deiner Bürste entdeckst? Ist es entmutigend, wenn deine Kopfhaut immer sichtbarer wird, weil dein Haar dünner wird? Solche Veränderungen können durch verschiedene Ursachen wie anhaltenden Stress, eine unausgewogene Ernährung oder genetische Faktoren entstehen. Die Suche nach einer Lösung kann sich dabei oft als schwierig erweisen. Viele Betroffene fragen sich dann: Hilft Rotlicht gegen Haarausfall? Die gute Nachricht: Licht und Haarwachstum gehören zu den am besten untersuchten Feldern der Rotlichttherapie (RLT). Mehrere kontrollierte Studien mit roten und nahinfraroten Lichtwellen gibt es bereits. Was Rotlicht bei Haarausfall in diesen Studien gezeigt hat, wo die Grenzen liegen und was man über Infrarot für Haarwachstum weiß, erfährst du hier.
Inhaltsverzeichnis
- Warum verlieren wir Haare?
- Rotlichttherapie: Dein Helfer für gesunde Haare?
- Wie hilft Rotlichttherapie jetzt gegen Haarausfall?
- Wissenschaftlich belegt? Was Studien zur Rotlichttherapie zeigen
- So holst du das Beste aus deiner Rotlichtbehandlung
- Kombiniere Rotlicht mit weiteren Methoden
- Dein Weg zu vollem Haar
Warum verlieren wir Haare?
Haarausfall hat viele Gesichter und kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Neben erblichen Einflüssen spielen hormonelle Umstellungen, Stress, eine unausgewogene Ernährung sowie Umwelteinflüsse eine Rolle. Besonders Frauen erleben nach einer Schwangerschaft häufig vermehrten Haarverlust. Die drei am häufigsten diagnostizierten Arten von Haarausfall sind die androgenetische Alopezie, Alopecia areata und das telogene Effluvium.
Übrigens: Jedes Haar durchläuft einen Zyklus aus Wachstumsphase (Anagenphase, mehrere Jahre), Übergangsphase und Ruhephase. Es ist deshalb ganz normal, täglich einige Dutzend Haare zu verlieren – häufig ist von 50 bis 100 die Rede.
Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
Diese Form, bekannt als genetisch bedingter Haarausfall, betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Hier reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons. Bei Männern führt dies zu lichter werdendem Haar an den Schläfen und dem Oberkopf, während Frauen häufig eine gleichmäßige Ausdünnung des gesamten Haars feststellen.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem irrtümlich die eigenen Haarfollikel attackiert. Dies führt zu plötzlichem, fleckenartigem Haarverlust. Obwohl die genauen Ursachen noch nicht abschließend geklärt sind, scheinen genetische Dispositionen, erhöhte Stresslevel oder bestimmte Infektionen eine Rolle zu spielen. Kreisrunder Haarausfall gehört in hautärztliche Behandlung.
Temporärer Haarausfall (Telogenes Effluvium)
Diese vorübergehende Art von Haarausfall wird oft durch Ereignisse wie intensiven Stress, hormonelle Veränderungen oder Nährstoffmängel ausgelöst. Auch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente oder Erkrankungen wie Schilddrüsenstörungen können dafür verantwortlich sein. Typisch ist ein plötzlich verstärkter Haarverlust, der in der Regel reversibel ist. Wichtig ist hier vor allem, die Ursache zu finden – zu Rotlicht bei Haarausfall dieser Art gibt es bisher kaum belastbare Daten.
Woran erkennst du Haarausfall? Die wichtigsten Anzeichen:
- Zunehmend dünnendes Haar
- Sichtbare kahle Stellen
- Mehr Haare in der Bürste oder im Abfluss
- Zurückweichender Haaransatz
- Lichter werdendes Haar im Scheitelbereich
Rotlichttherapie: Dein Helfer für gesunde Haare?
Die Rotlichttherapie, auch bekannt als Photobiomodulation (PBM) oder Low-Level-Lasertherapie (LLLT), ist eine sanfte, nicht-invasive Anwendung von rotem und nahinfrarotem Licht in niedriger Leistung. Steht gezielt eine Rotlicht Therapie der Haare im Fokus, wird das Licht auf Kopfhaut und Haarwurzeln gerichtet.
Dabei kommen Lichtwellen in bestimmten Wellenlängenbereichen (in der Regel zwischen 600 und 1000 Nanometern) zum Einsatz. Rotes Licht (typisch 630–670 nm) wirkt eher in den oberen Hautschichten, nahinfrarotes Licht (typisch 810–850 nm) dringt tiefer ins Gewebe ein. Nach einem gängigen Erklärungsmodell nehmen die Mitochondrien – die Energiezentren der Zellen – das Licht auf. Labordaten deuten darauf hin, dass dadurch die Bildung von Adenosintriphosphat (ATP), der primären Energiequelle der Zellen, angeregt wird.
Bringt Rotlicht Haarwachstum? Bzw. Infrarot Haarwachstum? Für erblich bedingten Haarausfall gibt es tatsächlich kontrollierte Studien mit ermutigenden Ergebnissen – allerdings mit speziellen Helmen und Laserkämmen direkt an der Kopfhaut (mehr dazu weiter unten).
Wie hilft Rotlichttherapie jetzt gegen Haarausfall?
Wie genau Licht auf die Haarfollikel wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Forschung untersucht mehrere Mechanismen – und das erklärt auch, warum Rotlicht Haarausfall und Rotlicht Haarwachstum so oft als Suchbegriffe bei Google auftauchen. Die folgenden Erklärungsmodelle stammen überwiegend aus Labor- und Tierversuchen:
Verbesserte Durchblutung
Diskutiert wird, dass Licht die Freisetzung von Stickstoffmonoxid anregt, das Blutgefäße weitet (Vasodilatation). Dadurch könnte sich die Mikrozirkulation in der Kopfhaut verändern und damit die Versorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Stärkere Haarfollikel
Ein Ansatz ist die Stimulation der Mitochondrien und der ATP-Produktion in den Zellen der Haarwurzel. Forschende untersuchen, ob dadurch die Wachstumsphase (Anagenphase) der Haarfollikel länger anhält. Hier setzt die Frage an, ob sich mit Rotlicht bei Haarausfall die Haarzahl beeinflussen lässt.
Entzündungshemmende Wirkung
Entzündungen der Kopfhaut können den Haarverlust beschleunigen. In Zellversuchen wird untersucht, ob Licht die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine verändert. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen.
Mehr Kollagen für eine gesunde Kopfhaut
Kollagen spielt eine Schlüsselrolle für die Elastizität und Festigkeit der Haut. In der Hautforschung wird untersucht, wie Fibroblasten – die Zellen, die Kollagen bilden – auf rotes Licht reagieren.
Schutz vor DHT
DHT (Dihydrotestosteron) ist bekannt dafür, Haarfollikel zu schwächen und die Wachstumsphase (Anagenphase) zu verkürzen. Rotlicht beeinflusst DHT selbst nicht. Diskutiert wird, ob die Follikel durch Effekte auf Zellstoffwechsel und Durchblutung länger in der Wachstumsphase bleiben – ein Ansatz, der auch bei Infrarot Haarwachstum untersucht wird. Gegen DHT selbst gibt es ärztlich verordnete Behandlungen.
Wissenschaftlich belegt? Was Studien zur Rotlichttherapie zeigen
Für erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) gibt es mehrere randomisierte, scheinkontrollierte Studien – das ist für die Photobiomodulation vergleichsweise viel. Einige Beispiele:
- Männer, Helm (Lanzafame et al. 2013): 44 Männer nutzten 16 Wochen lang jeden zweiten Tag einen Helm mit rotem Licht (655 nm) oder ein Scheingerät. In der Lichtgruppe stieg die Haarzahl im Messbereich um rund 35 %, in der Scheingruppe blieb sie weitgehend unverändert.
- Frauen, Helm (Lanzafame et al. 2014): Mit vergleichbarem Design wurden 47 Frauen über 16 Wochen untersucht. Auch hier nahm die Haarzahl in der Lichtgruppe deutlich stärker zu als in der Scheingruppe. Studie hier
- Laserkamm (Jimenez et al. 2014): In vier Studien mit insgesamt 269 Männern und Frauen nahm die Dichte kräftiger Haare nach 26 Wochen mit dreimal wöchentlicher Anwendung stärker zu als unter dem Scheingerät.
- Laborforschung: Eine weitere Studie untersuchte im Labor, wie Zellen auf Licht reagieren, darunter Fibroblasten und Keratinozyten. Solche Ergebnisse helfen, mögliche Mechanismen zu verstehen, zeigen aber noch keine Wirkung beim Menschen. Studie hier
Wo die Grenzen liegen: Die Gruppen waren klein, die Studien liefen nur 16 bis 26 Wochen und wurden größtenteils von Geräteherstellern finanziert. Untersucht wurden fast ausschließlich Menschen mit leichter bis mittlerer androgenetischer Alopezie; nicht alle sprachen gleich an. Wo kein Haarfollikel mehr vorhanden ist, kann nach heutigem Wissen auch kein Haar nachwachsen. Für kreisrunden Haarausfall und telogenes Effluvium gibt es kaum belastbare Daten.
Helm oder Panel – das Gerät macht einen Unterschied: In den Studien saßen die Lichtquellen direkt auf der Kopfhaut oder wurden dicht durch das Haar geführt. Mit zunehmendem Abstand nimmt die Lichtintensität deutlich ab, und dichtes Haar schirmt einen Teil des Lichts ab. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf andere Gerätetypen übertragen.
Diese Studien wurden nicht mit unseren Geräten durchgeführt; eine Wirkung unserer Geräte lässt sich daraus nicht ableiten.
So holst du das Beste aus deiner Rotlichtbehandlung
Vorbereitung
Falls deine Haare einen öligen Ansatz haben oder Produktrückstände wie Trockenshampoo, Haarspray oder Seren enthalten, wasche dein Haar und deine Kopfhaut gründlich. So stellst du sicher, dass Schmutz und Rückstände entfernt sind. Trockne dein Haar anschließend gut ab.
Gerät einstellen
Richte das Gerät nach den Anweisungen des Herstellers ein und halte dich an Abstand, Dauer und Häufigkeit aus der Gebrauchsanweisung. Länger oder häufiger ist nicht automatisch besser.
Bestrahlung
Scheitle das Haar mit den Fingern, damit mehr Licht die Kopfhaut erreicht. Achte darauf, dass das Licht möglichst gleichmäßig auf die Kopfhaut trifft, und schau nicht direkt in die LEDs.
Regelmäßige Anwendung
In den Studien wurden die Geräte mehrmals pro Woche über 16 bis 26 Wochen angewendet – weil der Haarzyklus so langsam abläuft, zeigen sich Veränderungen der Haardichte frühestens nach Monaten. Wenn du Veränderungen beobachten möchtest, mache zu Beginn und nach einigen Monaten Vergleichsfotos im gleichen Licht.
Sicherheit: Bei Lichtempfindlichkeit, photosensibilisierenden Medikamenten, Augenerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei Hauterkrankungen der Kopfhaut kläre die Anwendung vorher ärztlich ab.
Kombiniere Rotlicht mit weiteren Methoden
Viele Shampoos gegen Haarausfall enthalten Inhaltsstoffe wie Biotin, Koffein oder Ketoconazol. Ketoconazol ist ein Wirkstoff gegen Pilze und Schuppen; zu Koffein-Shampoos ist die Studienlage begrenzt. Wichtiger als jedes einzelne Produkt sind ein paar Grundlagen:
Nahrungsergänzungen
- Biotin: Trägt zur Erhaltung normaler Haare bei. Eine abwechslungsreiche Ernährung deckt den Bedarf in der Regel.
- Zink: Trägt ebenfalls zur Erhaltung normaler Haare bei.
- Eisen: Ein Mangel kann Haarausfall begünstigen. Lass deine Werte lieber ärztlich bestimmen, statt auf Verdacht Präparate einzunehmen.
Ernährungstipps
- Eiweißreiche Kost: Haare bestehen vor allem aus dem Protein Keratin. Eier, Hülsenfrüchte und Fisch liefern die Bausteine.
- Omega-3-Fettsäuren: Gehören zu einer ausgewogenen Ernährung, z. B. aus Leinsamen und Walnüssen.
- Vitaminreiche Lebensmittel: Vitamine A, C und E aus Beeren, Karotten und Nüssen sind Teil einer ausgewogenen Ernährung.
Stressabbau durch Bewegung
- Sanfte Aktivitäten: Yoga, Schwimmen oder Spaziergänge helfen dir, Stress abzubauen – und Stress kann zu Haarproblemen beitragen.
Kopfhautmassagen
- Regelmäßige Anwendung: Viele empfinden eine sanfte Kopfhautmassage mit den Fingerspitzen als angenehm und entspannend – ein schönes Ritual nach dem Waschen oder nach der Rotlichtanwendung.
Dein Weg zu vollem Haar
Licht und Haardichte ist eines der am besten untersuchten Felder der Photobiomodulation: Mehrere randomisierte, scheinkontrollierte Studien mit Helmen und Laserkämmen berichten bei erblich bedingtem Haarausfall über eine höhere Haarzahl nach 16 bis 26 Wochen. Gleichzeitig sind die Gruppen klein, die Laufzeiten kurz, und die Ergebnisse beziehen sich auf bestimmte Geräte direkt an der Kopfhaut. Eine Alternative zur ärztlichen Behandlung ist Rotlicht deshalb nicht – und auch nicht für jede Form von Haarausfall geeignet.
Der wichtigste erste Schritt auf dem Weg zu vollem Haar ist, die Ursache zu kennen. Wende dich an eine Hautärztin oder einen Hautarzt, wenn du plötzlich deutlich mehr Haare verlierst, kreisrunde kahle Stellen auftreten, die Kopfhaut juckt, schuppt oder schmerzt oder der Haarverlust nach Infekten oder einem Medikamentenwechsel beginnt. Häufige Auslöser wie Schilddrüsenstörungen oder Eisenmangel lassen sich mit einfachen Untersuchungen klären, und für erblich bedingten Haarausfall gibt es ärztlich verordnete Behandlungsmöglichkeiten.
Wenn du Rotlicht als ruhigen Moment in deine Kopfhaut-Routine einbauen möchtest, gehören Geduld, realistische Erwartungen und gute Pflege-Basics dazu.
Quellen
- Lanzafame RJ et al. (2013). The growth of human scalp hair mediated by visible red light laser and LED sources in males. Lasers in Surgery and Medicine, 45(8), 487–495. doi:10.1002/lsm.22173
- Lanzafame RJ et al. (2014). The growth of human scalp hair in females using visible red light laser and LED sources. Lasers in Surgery and Medicine, 46(8), 601–607. doi:10.1002/lsm.22277
- Jimenez JJ et al. (2014). Efficacy and safety of a low-level laser device in the treatment of male and female pattern hair loss. American Journal of Clinical Dermatology, 15(2), 115–127. doi:10.1007/s40257-013-0060-6
- Avci P et al. (2014). Low-level laser (light) therapy (LLLT) for treatment of hair loss. Lasers in Surgery and Medicine, 46(2), 144–151. doi:10.1002/lsm.22170
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